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SV Hansa Scholven - BVR 1:1 (1:0)

Nach dem 11:0 im ersten Spiel der Saison war die Drittvertretung des BVR für die zweite Partie zum Samstagsbrunch bei seinen Nachbarn aus Scholven an die Baulandstraße geladen. Samstag? Warum Samstag? Weiß der Trainer etwa nicht, dass sich das halbe Team ehrenamtlich auf der örtlichen Wasserskianlage engagiert und daher Samstags nicht kann?

 

Wie es zu dieser Spielverlegung kommen konnte ist unklar. Griese versprach im Sinne seiner politischen Vorbilder Andi Scheuer und Philipp Amthor eine transparente Aufarbeitung des Falles. Er beteuert seine Unschuld und ist kompromissbereit genau so viel zuzugeben, wie ihm -stand jetzt- nachgewiesen werden kann. Nämlich gar nichts.

 

Als Wiedergutmachung hatte Seelenhändler Griese jedoch gleich drei Spieler im Gepäck, die die fehlende Qualität auszugleichen hatten.

 

Für die Verteidigung wurde Altstar Tobias „Danelski“ Danelzikreanimiert, während fürs Mittelfeld Kasper Gorzelany aus der eigenen Zweit- sowie Ferdi Koch aus der eigenen Erstvertretung hochgezogen wurden. Trotz der Verstärkung konnte man dem Team um Kapitän Dicken herum eine gewisse Anspannung anmerken. Besonders bei Spielen in Scholven ist diese Anspannung schon am Tag vorher zu spüren. Die Vögel zwitschern unruhiger, die Kondensstreifen am Himmel scheinen irgendwas im Schilde zu führen und es liegt eine ganz besondere Stimmung in der Luft. Aber genau diese Stimmung, dieses Gefühl ist es, für das man einmal im Jahr aufsteht und sich auf den Weg nach Scholven macht. Die Stille vor dem Sturm, der Kaffee vor dem Morgenklo. Die Nerven liegen blank bis derPlatzwart endlich das ersehnte Urteil spricht: 

 

„Wir spielen auf Rasen.“

 

Die Spieler der Dritten liegen sich in den Armen, manche wischen sich verschämt Freudentränen aus dem Augenwinkel. Man hört hastig gesprochene Ave Marias. Die schwere Zeit der Isolation, persönliche Schicksalsschläge, der angehäufte Alltagsstress eines ganzen Jahres –  all das scheint für einen Augenblick vergessen zu sein.

 

Das schwerste liegt hinter uns, jetzt muss nur noch gespielt werden.

 

 

 

Als weniger nervenaufreibend, dafür umso kräftezehrender sollte sich indessen die Partie herausstellen. Von der ersten Minute an war klar, dass sich Scholven nicht einen, sondern drei Punkte auf eigenem Geläuf sichern wollte. Bereits in der 10. Minute war es soweit: 1:0 für die Hanseaten, nach langem Pass und schönem Heber. Auf der einen Seite nervig...klar, man liegt Eins zu Null zurück. Auf der anderen Seite hatte man so ganze 80 Minuten Zeit sich über den Schiri auszulassen. Normalerweise ist diesem Akt des Spiels die zweite Halbzeit vorbehalten, doch so hatte man ganze 35 Minuten mehr, um sich mollig warm in die Opferdecke des chronisch Benachteiligten einzuwickeln. Nebenbei spielte man ein bisschen weiter, bis es mit diesem Ergebnis in die Halbzeit ging.

 

Während Couch Griese versucht die Moral hoch zu halten, übernimmt Merch-Aktivist und Mannschaftschoreograph Pievodie taktische Aufklärung der Bumaye Elf. „Hinten mehr, vorne mehr und dann ne schöne Ecke“, so der erfahrene Spezialist für Standardsituationen.

 

Trotz neu gefassten Mutes startete die zweite Hälfte, wie die erste endete. Während der BVR auf die prognostizierte Ecke wartete, versuchten zwei gleichwertige Mannschaften der jeweils anderen jeden Meter Rasen streitig zu machen. In der 56. Minute erhöht Scholven fast auf 2:0. Nur das beherzte Eingreifen durch Ferdi „Nand“ Koch, der einen Ball von der eigenen Torlinie kratzt, lässt unsere Rothemden weiter von der prophezeiten Ecke träumen. 20 Minuten später ist es dann endlich soweit. Ecke Krämer, Kopfball Dicken, 1:1. Ein stolzer Pievo steht mit verschränkten Armen am Spielfeldrand und nickt zufrieden. Die letzten 15 Minuten des Spiels sollte es keine weitere Ecke geben, daher begnügte sich der BVR mit dem Endstand von 1:1 und verwaltete das Spiel über die Zeit. 

 

Das zweite Spiel der Saison und direkt gab es das erste blaue Auge für den BVR.

 

Sind wir etwa nicht drei Klassen besser als alle anderen Mannschaften? Ist gar kein Training vielleicht doch etwas zu wenig Training und wenn nicht, wie können wir uns mehr Ecken erarbeiten? Diese und weitere Fragen gilt es nun mannschaftsintern aufzuarbeiten. Jones‘ Gesicht soll uns für immer an dieses blaue Auge erinnern. Oder zumindest eine Woche und einen Tag lang. So lang, bis wir das nächste Spiel wieder gewinnen werden.